Kategorie-Archiv: Blog

29. April 2016

> Heute ist sie 337 Jahre her, die Hochzeit von “Toffel” und Martha, von Johann Christoph Bach und Martha Elisabeth Eisentraut! Am 29. April 1679 julianischer Zählung, einem Dienstag, wurden sie in Ohrdruf getraut, belegt durch ein Dokument, das bisher noch keine Rolle in der Forschung spielte. Damit steht auch das Uraufführungsdatum des wunderbaren Hochzeitsdialogs “Meine Freundin, du bist schön” fest, den Johann Christoph komponierte, nicht der Bräutigam, Zwillingsbruder von Ambrosius, sondern der Organist aus Eisenach, der in meinem Buch “Bachs Welt” den Spitznamen “Stophus” trägt. SAM_1112

Es ist im Trauregister von Ohrdruf die zwölfte Trauung des Jahres 1679: „Johann Christoph Bach, HofMusicus zu Arnstadt. Und J. Martha Elisabeth Eisentrautis, des Kirchners Tochter alhier 29. Apr.“ Nachtschwarz auf elfenbeingelb, wie gerade erst geschrieben. Neben dem Datum ganz rechts steht noch „M Wolff“ für Magister Johann Christoph Wolff, Archidiakon, der die Trauung vornahm. Wie ich auf dieses schöne Blatt gestoßen bin, ist in “Bachs Welt” auf Seite 165 f. nachzulesen. Das Buch ist jetzt seit sieben Tagen in der Welt, ein ausführliches Interview dazu hat das Onlinemagazin VAN vorige Woche gebracht. Lesungen gibt es am 31.5. in Nürnberg (Buchhandlung Jacob), am 1.6. in Köln (Buchhandlung Kaiser) und am 2.6. in St. Augustin (Hochschulbibliothek).

24. März 2016

> Erstmal die Sensation: Smartphones gab es schon vor 240 Jahren! Anno 1776 nämlich porträtierte Georg David Matthieu auf Schloss Ludwigslust die Prinzessin Sophie Friederike, die mit unnachahmlicher Grazie ein grüngoldenes Mobilgerät in der Hand hält. Auf dem ovalen Bildschirm (nicht auszudenken, welches technische Knowhow allein schon dieses Format voraussetzt!) erscheint das Bildnis eines Mannes, dessen Kontaktdaten sich Sophie gerade handschriftlich notiert – schon zu Mozarts Zeiten wusste man also, dass der digitalen Speicherung allein nicht zu trauen ist. Und tatsächlich verschwand die hier schon mit größter Selbstverständlichkeit und Eleganz gehandhabte Technologie auf rätselhafte Weise für zwei Jahrhunderte so spurlos, dass selbst lange nach Einführung der ersten Mobiltelefone im späten 20. Jahrhundert keinem Betrachter der Ludwigsluster Sammlung ein Licht aufging. Sehen Sie selbst!

MatthieuSophieFriederike

Ganz andere Zeitreisen unternimmt Countertenor Max Emanuel Cencic, den ich in seiner Pariser Wohnung traf, um nicht nur über Barockopern zu sprechen, sondern auch über die Erosion der Kultur, beschränkte Millionäre und seinen Lieblingskastraten. Nachzulesen und mit fabelhaften Audio- und Video-Exempeln versehen im aktuellen VAN. Auf ZEIT online ist seit nun schon zwei Wochen mein Text “Was soll das ganze Theater?” zu lesen, in dem es um Migration, kulturelle Identität, Theaterfinanzierung und einen Großbildschirm an der Semperoper geht.

 

 

4. März 2016

> Aribert wird achtzig! Pardon, für die schöne Alliteration musste einmal der berühmte Nachname entfallen, der seinen vollen Klang freilich nur mitsamt dem Vornamen entfaltet. Aribert Reimann ist gemeint, der Komponist, der, auch wenn manche Musikjournalisten das gar nicht wissen wollen, tatsächlich etwas mehr komponiert hat als die beiden großen Opern “Lear” und “Medea”. Wann wird “Troades” wieder gespielt, wann “Das Schloss”, wann… Zur Orientierung für Nichtkenner und Kenner, Liebhaber und Neugierige verlinke ich hier zu seinem runden Geburtstag auf drei Texte von mir: Eine Begegnung mit dem Komponisten, kurz nachdem seine virtuelle Mitbewohnerin Medea die Koffer gepackt hatte und ihn mit der fertigen Partitur von “Medea” sitzen ließ, jener Oper, über deren Uraufführung in Wien hier etwas zu lesen ist, schließlich ein Essay anlässlich des Preises der Ernst von Siemens Musikstiftung, den A.R. 2011 erhielt. Heute würdigt ihn das Deutsche Symphonieorchester Berlin. Mit aggressiven Störern, wie sich sich jüngst in der Kölner Philharmonie bemerkbar machten, wird dabei kaum zu rechnen sein. Mit ihnen habe ich mich in einem Kommentar für ZEIT online befasst, der dort bislang 400 Leserkommentare nach sich gezogen hat.