Kategorie-Archiv: Blog

2. November 2017

> Es gibt ein paar Neuigkeiten, neue Texte vor allem, aber auch Auftritte mit “Bachs Welt” und befreundeten Musikern, und eine nagelneue Kolumne bei VAN, betitelt “Rausch & Räson”, in der ich mich regelmäßig mit Phänomenen der “Klassik” befasse – in der aktuellen Ausgabe geht es um den Glassarg, der in München als Antwort auf die Elbphilharmonie errichtet werden soll. Am 4. November hat in Zürich “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny” Premiere, und einen der dort auftretenden Holzfäller habe ich getroffen – Christopher Ventris, sonst eher bekannt als einer der weltbesten Wagnertenöre. Ebenfalls für das Magazin der Oper Oper Zürich unterhielt ich mich mit der israelischen Kostümbildnerin Buki Shiff, die das Nußknacker-Personal für Christian Spucks neue Kreation einkleidete. In Berlin erlebte Aribert Reimanns neunte Oper “L´invisible” ihre Uraufführung, und in Bayreuth überreichte Anton Bruckner die Partitur seiner Dritten Sinfonie seinem großen Anreger und bezechte sich auf der Baustelle von Wahnfried. Das ist schon etwas länger her und hier nachzulesen.

Noch länger her ist das 17. Jahrhundert der Bachs, in das Cembalist Christian Windhorst und ich uns am 4. November begeben. Die Musiklesung aus dem Buch “Bachs Welt” im Wennigser Spritzenhaus beginnt am 4. November um 19 Uhr (bei freiem Eintritt kann man unter 05103/7315 Plätze reservieren). Am 5. November wird das Programm im westfälischen Löhne wiederholt, um 17 Uhr in der Matthäuskirche. Die chinesische Cellistin Yingtuo Zhang ist musikalische Begleiterin einer Lesung, die am 7. November um 19 Uhr im Wunstorfer Ratskeller beginnt. “Bachs Welt” gibt es seit August als Taschenbuch (nach vier Hardcover-Auflagen seit 2016), und warum es mit dem Halberstädter Gleim-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, das hat neulich bei dessen Überreichung die Autorin und Jurorin Angela Steidele so wunderbar erklärt, dass ich jetzt gespannt bin auf die Lektüre ihres neuen Buchs “Anne Lister”, die erotische Biographie einer eigensinnigen Landadeligen im frühen 19. Jahrhundert.

13. September 2017

> Eine Kolumne, zwei Begegnungen, zwei historische Ausflüge, eine Rezension. Letztere gilt der kunstblutigen Neuinszenierung der Oper “Lear” von Aribert Reimann bei den Salzburger Festspielen. Weiter nördlich, im abgelegensten Konzertsaal von Schottland, kam es zur Begegnung mit der jungen Dirigentin Karina Canellakis, die am 26. September die Wiederaufnahme der Züricher “Zauberflöte” leitet. In Berlin unterhielt ich mich mit der Komponistin Rebecca Saunders über ihr Werk “Yes” – basierend auf dem Schlussmonolog des “Ulysses” von James Joyce – und ihren Weg dorthin. Inzwischen ist “Yes” erfolgreich uraufgeführt worden. Wie wichtig das Publikum und die gesellschaftliche Situation für die Jungfernfahrten neuer Werke sind, erkundet ein Essay für 128, das Magazin der Berliner Philharmoniker, an sechs Uraufführungen aus vier Jahrhunderten. Das Gewandhausorchester wird unterdessen 275 Jahre alt und blickt in seinem Magazin zurück: Zum Beispiel auf die Leipziger Erstaufführung von Arthur Honeggers Fünfter Sinfonie im bewegten Jahr 1968. Ein privater Mitschnitt dokumentiert die Interpretation von Václav Neumann, der im selben Jahr, nach dem gewaltsamen Ende des “Prager Frühlings”, seinen Posten als Gewandhauskapellmeister niederlegte. Und die Koumne? Es ist meine erste, die sozusagen eine Uraufführung erlebte, mit zwei weiteren Texten entstanden für das Projekt “Bach / Brandneu!” des Ensembles La Festa Musicale. Dessen Mitglieder haben nicht nur selbst ein wunderbares “Neubrandenburgisches Konzert” arrangiert zusätzlich zu den BBKs 1 und 3 in ihrem Programm. Sie hoben auch dirigentenlos und souverän die “Fünf Einzelgänger” aus der Taufe, die Benjamin Scheurer in ihrem Auftrag komponierte. Neue Musik für Barockinstrumente, deren Intelligenz, szenischer Witz und musikalische Wahrhaftigkeit einen gespannt macht auf das, was Scheuer (wie Saunders ein Schüler von Wolfgang Rihm) schon schrieb und noch schreiben wird. “Kann der sich nicht besser anziehen?”, zischelte in Hannovers Markuskirche eine ältere Dame, als der 30-jährige Komponist in Jeans und Kapuzenpulli seine Musik erklärte. Nee, das passt schon so!

18. August 2017

Von 610 auf 350 Gramm verschlankt: “Bachs Welt”, ausgezeichnet mit dem Gleim-Literaturpreis 2017, ist jetzt, nach vier Hardcover-Auflagen, auch als Taschenbuch zu haben, wobei der unerlässliche Stammbaum (all die Johann Christophs!) auch in dieser Ausgabe gut entzifferbar ist. Das nächste Buch, weit von Thüringen entfernt, ist in Arbeit. Bach-Fans sei versprochen, dass im zweiten Kapitel drei Extrempianisten Bachs Musik einem Publikum präsentieren werden, dem JSB weitgehend unbekannt ist. Da sich das heute anders verhält, braucht man noch mehr Bach, als er überhaupt komponiert hat. Grund genug für das hannoversche Ensemble “la festa musicale”, aus seinen Werken ein “Neubrandenburgisches Konzert” zu destillieren, ein siebtes Brandenburgisches sozusagen. Mehr noch: Benjamin Scheuer, 1987 geborener Komponist, ein Schüler Wolfgang Rihms, hat für dieses Ensemble und locker bezogen auf die “Brandenburgischen” seine “Fünf Einzelgänger” komponiert. Zwischen diesen Werken (darunter auch den originalen BBKs 1 und 3) gibt es an drei Abenden auch noch Kolumnen von mir, ebenfalls Auftragswerke, in der Struktur nicht so kontrapunktisch, inhaltlich schon eher. Das alles ist am 25., 26. und 27. August in Lilienthal, Stadthagen und Hannover zu erleben. “In Arnstadt hat man den feuern wollen, weil er die Choräle versaute. Und jetzt? Die Mechanismen der Rezeption werden nirgends diskutiert und untersucht”, sagte Helmut Lachenmann über Bach in einem Gespräch, das zwar seinem eigenen Werk “Tableau” galt, nebenher aber auch seine Liebe zu Ravels “Bolero” zutage brachte. Wir führten es für einen Programmtext des Gürzenich-Orchesters, das im Juli “Tableau” mit Bruckners Achter kombinierte. Nachzulesen hier.