Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Bachs Welt – Die Familiengeschichte eines Genies ist das Buch – es wurde rund 25.000 Mal verkauft – nun in spanischer Übersetzung erschienen, im renommierten Verlag Editorial Acantilado mit Sitz in Barcelona. Ins Spanische übertragen wurde es von Javier Sánchez-Arjona Voser; eine Leseprobe aus El mundo de los Bach – La historia de la familia de un genio ist auf der Website des Verlags zu finden. Eine weniger schöne Nachricht: 34 Jahre nach dem allerersten Gewandhaus-Magazins wird das Erscheinen dieses außergewöhnlichen Haus-Blatts nun, nach der Nummer 132, eingestellt. Nicht etwa, weil das Konzept den gewandelten Zeiten nicht gewachsen wäre, sondern weil die Stadt Leipzig sparen muss. Dass das Sparen im Gewandhaus am richtigen Ende stattfindet, kann man bezweifeln. Ich habe das Magazin, zu dessen Autoren ich auch zählte, in VAN gewürdigt und die Umstände der “Beerdigung” kritisch betrachtet – ebenso in einem Interview für das Gewandhaus-Radio.
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14. August 2026
Schon wieder Weill! Erstmal, weil das Foto so schön ist: Kurt Weill am Klavier im September 1943, bei den Proben zum Musical One Touch of Venus. Das Stück hatte am 7. Oktober Premiere am Broadway, wurde da 567 Mal in Serie gespielt und machte die Hauptdarstellerin noch berühmter, als Weill es zu der Zeit bereits war. Mary Martin, 29, hier auf dem Klavier sitzend, sang und spielte die Venus – eine Statue, die im Museum zum Leben erwacht und im modernen New York eine Menge Leute durcheinanderbringt. Weills Venus-Triumph ist einer von vielen Aspekten eines Essays, den ich fürs aktuelle Magazin der Elbphilharmonie geschrieben habe, Hefttitel Amerika: In Kleiner großer Bruder geht es um die Verbindungen der klassischen Musik in den USA mit Europa – ein Fast Ride mit Auswanderern, Exilanten, Gründern, Mavericks und den Bach Brothers, exzeptionell gut bebildert. Das Magazin sollten Sie sich auch deswegen in echt kaufen, weil es eine wirkliche Schatzkiste geworden ist – Björn Woll interviewt den fabelhaften Geiger Augustin Hadelich, Albrecht Selge porträtiert den Komponisten John Adams, Thomas Burkhalter erkundet aus nächster Nähe die Musik des Libanon.
Ansonsten weise ich gern nochmal darauf hin, dass Weills Zweite Sinfonie (die 1934 in Manhattan bei weitem nicht so gut ankam wie später Venus und andere Musicals) nebst ihren Interpreten ausführlich in der Sendung Fantasie auf der Flucht gewürdigt wird, ein Podcast in der Reihe Interpretationen auf Deutschlandfunk Kultur. Die Aufnahmeleitung hatte Volker Michael, die Zitate wurden von Haino Rindler (Weill) und Rosario Bona (Zeitzeugen) gesprochen. Aber jetzt möchten Sie vielleicht lieber mal hören, wie der Venus-Hit “Speak low when you speak love” klingt, einmal mit dem Komponisten selbst als Sänger und einmal mit Mary Martin und Orchester? Hier gehts zu Kurt und hier zu Mary. Am Ende singt sie zusammen mit Kenny Baker (auf dem Foto rechts), Darsteller des spießigen New Yorker Friseurs, in den sich die Göttin verliebt hat…
29. Juli 2026
Eine gut gelaunte Runde ließ sich da in der Konzertpause fotografieren, am 11. Oktober 1934 im Concertgebouw Amsterdam. Bruno Walter (58) hatte gerade nacheinander Werke von Sergej Prokofjew (43) und Kurt Weill (34) dirigiert. Nach der Uraufführung von Weills Zweiter Sinfonie setzte sich Prokofjew als Solist seines Dritten Klavierkonzerts an den Flügel. Brahms´ Vierte Sinfonie soll nach diesen Stücken so brav wie selten gewirkt haben, glaubt man dem Kritiker von De Telegraaf, in dem am nächsten Tag auch dieses Foto erschien – prominent plaziert zwischen den großen und dramatischen Meldungen des Tages. Von einer solchen Medienpräsenz können die jetzt lebenden Komponist*innen nicht mal träumen. Von einer “Krise der Neuen Musik” wusste man da noch nichts, es gab auch keine “Neue Musik”, sondern Programme wie dieses, in denen Repertoire und hochkarätige Novitäten selbstverständlich nebeneinander standen. Im Publikum – randvoller Saal – waren viele Zuhörer*innen jünger als die anwesenden Komponisten.
So weit, so schön, nur herrschten im östlichen Nachbarland seit einem Jahr die Nazis, weswegen Weltstar Walter dort nicht mehr dirigieren durfte und Kurt Weill inzwischen in der Nähe von Paris lebte. Dort hatte er die Zweite Sinfonie vollendet, deren erster Satz noch Anfang 1933 in Berlin als Skizze fertig geworden war. Dieses dreisätzige Werk, in dem Weill seinen “Songstil” in eine neue orchestrale Sprache überführt, blieb trotz des prominenten Starts lange unbeachtet. Inzwischen sind der ersten Einspielung von 1967 rund zehn weitere gefolgt, mit Mariss Jansons und den Berliner Philharmonikern etwa und zuletzt mit dem Konzerthausorchester Berlin und seiner Chefdirigentin Joana Mallwitz. Diese Aufnahmen werden ebenso wie Kurt Weills Leben 1933 und 1934 erkundet in der neuen Folge der Sendereihe “Interpretationen” auf Deutschlandfunk Kultur, am 2. August 2026 um 15.05 Uhr. Ganze zwei Stunden Weill – in denen auch seine Lebensgefährtin Lotte Lenya zu hören ist, denn zwischen der Sinfonie und den Songs des Komponisten gibt es spannende Verbindungen. Man kann das auch als Podcast hören, ebenso wie derzeit meine Sendung zu Rossinis Petite messe solenelle. Viel Spaß dabei!
