> Tauris ist der altgriechische Name der Krim, und Iphigenie watete dort im Blut. Die Halbinsel blieb auch nach der Antike kein friedlicher Ort. In der Süddeutschen Zeitung ist nachzulesen, dass auf der Krim schon immer Spannung zwischen Europa und Asien herrschte. Als Barry Kosky 2007 in Berlin Glucks Oper “Iphigenie auf Tauris” inszenierte, verlegte er sie bereits in eine Gegenwart militanter Verrohung. Die Produktion an der Komischen Oper hat am Sonntag Wiederaufnahmepremiere unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel. In ein romantisches, wahres Musikmärchen führt dagegen eine Reportage über den venezianischen Palazzetto Bru Zane, die ich für die Musikbeilage der aktuellen ZEIT schrieb – nächste Woche auch hier zu lesen.
Kategorie-Archiv: Blog
6. März 2014
> Alle Wege führen nach Kiew? Vor fünfzehn Jahren war das so, als Christoph Wolff von der Harvard University als Jäger des verlorenen Schatzes dem Notenarchiv der Berliner Singakademie nachgespürt war, darin kostbarste Handschriften, die nach dem 2. Weltkrieg die Rote Armee nach Osten geschafft hatte. Er fand es in der ukrainischen Hauptstadt. Das vorbildlich aufbewahrte Material konnte 2001 durch diplomatisches Geschick in – lange her!- politisch entspannter Situation nach Berlin zurückkehren. Davon erzählt Wolfgang Fuhrmann im neuen “128″, dem Magazin der Berliner Philharmoniker, dessen zentrales Thema die “Geraubte Musik” ist. Von mir ist darin “Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” zu lesen, eine Geschichte verbotener, verhinderter, verzögerter Musik. Frisch auf meine Website habe ich einen Essay aus dem vorangegangenen “128″ gestellt, nämlich “Das große Schweigen”. Es geht um die Stille in der Musik vom Mittelalter über Monteverdi bis zu den “Einstürzenden Neubauten”.
Ein Verstummen der Töne in einstürzenden Altbauten muss man nun in Schleswig-Holstein fürchten. Am 20. Dezember 2013 hatte ich hier auf die Nöte des Theaters Schleswig hingewiesen, von dessen Fortbestand das ganze Landestheater Schleswig-Holstein abhängt. Nun haben erneut Grüne, CDU, FDP und Wählergemeinschaften in Schleswigs Stadtrat den nötigen Neubau abgelehnt. Einen kompetenten Kommentar dazu hat Detlev Brandenburg für “Die Deutsche Bühne” geschrieben. Anderen geht die Kultur am Arsch vorbei, auf dem sie ohne sie noch in unbemalten Höhlen säßen: “Kein Protz-Tempel für wenige, für den noch unsere Enkel bezahlt hätten! Die Vernunft hat gesiegt!” Diese (und andere) Stimmen sind auf dem Newsportal shz versammelt.
21. Februar 2014
> Mir wurde mulmig, als ich im Künstlerzimmer das Foto von Eugène Ysaÿe erblickte, der den Saal 1901 geigend eingeweiht hat. Was für ein Maßstab! Nach unserem Auftritt schien mir Eugène nicht mehr ganz so unnahbar in die Ferne zu schauen. Es sei unfassbar, dass Cantus Cölln erst jetzt in der Wigmore Hall debütiert habe, erklärte uns der enthusiasmierte Chef der ehrwürdigen Londoner Institution nach dem ausverkauften Auftritt am 18. Februar. Kurz, es war ein Erfolg. Mit Zugabe! BBC 3 übertrug live und stellte den Mitschnitt hier ins Netz.