Kategorie-Archiv: Blog

25. Juni 2015

> Dass die Berliner Philharmoniker sich vor ein paar Tagen für Kirill Petrenko als Chefdirigenten entschieden, habe ich für ZEIT online kommentiert. Jetzt auch auf dieser Website zu lesen: “Raus aus dem Exil!” Es geht in dem Text um die Präsenz von Komponistinnen in der Musiklandschaft, die trotz eines gewissen Booms in den letzten 20 Jahren von Parität immer noch ähnlich weit entfernt sind wie, zum Beispiel, die Berliner Philharmoniker (19 Frauen, 105 Männer), deren Magazin “128″ erst recht den Themenschwerpunkt “Frauen in der Klassik” wählte. Eine der wenigen prominenten Dirigentinnen hat derweil eine Zehn-Jahre-Ära beendet: Wie sich Simone Young mit der Uraufführung von Beat Furrers Oper “la bianca notte” von Hamburg und ihrem Doppelposten als Generalmusikdirektorin und Intendantin verabschiedete, ist hier zu lesen. Schönen Dank übrigens für´s rege Interesse: Derzeit verzeichnet diese Website rund 5000 Klicks am Tag.

4. Juni 2015

Karte Kirchboitzen > Noch mehr Süden: Für das Magazin der Oper Zürich habe ich das libertäre, zynische und immer noch auch mittelalterliche Venedig des Jahres 1720 erkundet, die Stadt, in der Antonio Vivaldis 13. Oper “La verítà in cimento” uraufgeführt wurde. Die Züricher Version in der Regie von Jan Philipp Gloger, die am 25. Mai Premiere hatte, geht so: Eine wohlhabende Familie zerlegt sich selbst, weil Papa endlich mal mit seiner Lebenslüge aufräumen will. Alles ist in leichter Karikatur so klar gezeichnet, dass man eine ganze Gesellschaftsschicht erkennt: Etliche Paare um die 60 im Zürcher Opernpublikum hätten Modell stehen können für einen sich vieles (auch einen Porsche) erlaubenden Unternehmer und seine der Esoterik zugeneigte Ehefrau. Finale Folgen der Wahrheitsliebe: Der Alte, mit Gartenschlauch an seinen Stuhl gefesselt, blickt im verwüsteten Arbeitszimmer auf die Leiche seines nichtehelichen Sohns, den dessen Verlobte gerade erschossen hat, welche sich im Korridor nun selbst die Kugel gibt, während die Exgeliebte des Patriarchen sich im Wohnzimmer in einem Weinkrampf auf dem Boden wälzt und seine Ehefrau sich zwischen Möbeln einen Zen-Hain gebastelt hat, wo sie wirren Sinns im Lotussitz vor sich hinstarrt. Das alles passt bestens zur Musik von „La verità in cimento“. Dialog zweier feiner älterer Damen danach, vor dem Opernhaus: „Ein schönes Erlebnis!“ „Ja! Der Schluss war etwas überraschend.“

P.S. In der vorigen Kolumne fehlte eine Null. „Alle fünfhundert Jahre gelingt es“, so zitierte ich dort aus dem Kopf Richard Wagner, die Einzigartigkeit seiner Ehe mit Cosima betreffend. Ein kundigerer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass Wagner sogar von 5000 Jahren sprach. Darunter mache er es eben nicht. Die Verbindung dieser Lichtgestalten ist demnach nur mit der Geburt Jesu, der Zähmung des Feuers oder der Mondlandung zu vergleichen. Man kann zum vermehrten Mal den Kopf schütteln über Richard, dessen Größe vielleicht doch von seinem Größenwahnsinn übertroffen wird, sollte sich stattdessen aber mal Hans von Bülow zuwenden, den Wagner von Cosima befreite: Am 10. Juni vor 150 Jahren dirigierte er in München die Uraufführung von „Tristan und Isolde“.

13. Mai 2015

> Auf ZEIT online habe ich die gescheiterte Chefdirigenten-Wahl kommentiert, zu der sich am Montag die Mitglieder der Berliner Philharmoniker zusammenfanden, nebst Hype. Reaktionen auf das “Konklave” hat der Perlentaucher zusammengefasst. Für das Feuilleton der ZEIT war ich bei der Hamburger Uraufführung von Beat Furrers Oper “la bianca notte”, die es vor allem nahelegt, sich Texte des genialen italienischen Dichters Dino Campana zu beschaffen. Die Besprechung ist verbunden mit einem Rückblick auf die Ära von Simone Young, von 2005 bis 2015 Generalmusikdirektorin und Intendantin der Hamburgischen Staatsoper – ein Doppeljob, dem, sofern er auf der Höhe der Musiktheaterentwicklung stattfinden soll, heute wohl selbst ein Gustav Mahler nicht gewachsen wäre. Und in der “Diskothek” der ZEIT geht es um zwei höchst unterschiedliche junge Streichquartettformationen und, unter anderem, ihren Umgang mit Mozart.