1911 kam Wanda Landowska nach Eisenach. Da war die Cembalistin 32 Jahre alt und nahm im Rahmen des Bachfestes an einem “Duell” teil: Cembalo gegen Flügel. »Man kann schlimmstenfalls Bach auf dem Flügel, aber man soll ihn auf dem Clavecin spielen«, hatte sie schon vorher erklärt. Nach ihrem Auftritt im Kurhotel Fürstenhof wurde sie umjubelt. Das ist eine der vielen Facetten der fabelhaften Ausstellung Phänomen Bachfeste im Bachhaus Eisenach, wo vor fünfzehn Jahren schon Erinnerungen an Wanda Landowska gezeigt wurden mitsamt dem Foto oben (Copyright: Library of Congress), das die etwa 76jährige in ihrem amerikanischen Exil zeigt, einer ihrer 143 Aufnahmen lauschend. Was Jörg Hansen, Direktor des Bachhauses, für seine Sonderausstellungen zusammenträgt, ist jedesmal so anregend wie durchdacht – und, wie das ganze schöne Haus, frei von Museumsmuff. Zuletzt war ich dort vor zehn Jahren für die ZEIT, um über Luther, Bach – und die Juden zu schreiben. Die ideologische Vereinnahmung Bachs nicht nur durch die Nazis ist auch ein Thema (keineswegs das einzige), dem man in der aktuellen Schau Phänomen Bachfeste nachgehen kann. Mehr dazu in der neuen VAN-Ausgabe! Meine jüngsten drei VAN-Kolumnen sind nun auch auf dieser Website zu lesen: Es geht um eine teure Banane, zwei geniale Pianisten und die Bedeutung der Musik in Annie Ernaux` Meisterwerk Die Jahre.