Schon wieder Weill! Erstmal, weil das Foto so schön ist: Kurt Weill am Klavier im September 1943, bei den Proben zum Musical One Touch of Venus. Das Stück hatte am 7. Oktober Premiere am Broadway, wurde da 567 Mal in Serie gespielt und machte die Hauptdarstellerin noch berühmter, als Weill es zu der Zeit bereits war. Mary Martin, 29, hier auf dem Klavier sitzend, sang und spielte die Venus – eine Statue, die im Museum zum Leben erwacht und im modernen New York eine Menge Leute durcheinanderbringt. Weills Venus-Triumph ist einer von vielen Aspekten eines Essays, den ich fürs aktuelle Magazin der Elbphilharmonie geschrieben habe, Hefttitel Amerika: In Kleiner großer Bruder geht es um die Verbindungen der klassischen Musik in den USA mit Europa – ein Fast Ride mit Auswanderern, Exilanten, Gründern, Mavericks und den Bach Brothers, exzeptionell gut bebildert. Das Magazin sollten Sie sich auch deswegen in echt kaufen, weil es eine wirkliche Schatzkiste geworden ist – Björn Woll interviewt den fabelhaften Geiger Augustin Hadelich, Albrecht Selge porträtiert den Komponisten John Adams, Thomas Burkhalter erkundet aus nächster Nähe die Musik des Libanon.
Ansonsten weise ich gern nochmal darauf hin, dass Weills Zweite Sinfonie (die 1934 in Manhattan bei weitem nicht so gut ankam wie später Venus und andere Musicals) nebst ihren Interpreten ausführlich in der Sendung Fantasie auf der Flucht gewürdigt wird, ein Podcast in der Reihe Interpretationen auf Deutschlandfunk Kultur. Die Aufnahmeleitung hatte Volker Michael, die Zitate wurden von Haino Rindler (Weill) und Rosario Bona (Zeitzeugen) gesprochen. Aber jetzt möchten Sie vielleicht lieber mal hören, wie der Venus-Hit “Speak low when you speak love” klingt, einmal mit dem Komponisten selbst als Sänger und einmal mit Mary Martin und Orchester? Hier gehts zu Kurt und hier zu Mary. Am Ende singt sie zusammen mit Kenny Baker (auf dem Foto rechts), Darsteller des spießigen New Yorker Friseurs, in den sich die Göttin verliebt hat…