Kategorie-Archiv: Blog

26. Juli 2014

>Selbst die Verspätung der aktuellen Kolumne “Störung im Betriebsablauf” verdankt sich einer Bahnpanne. Eigentlich wollte ich den Text gestern im ICE schreiben, um wenigstens 90 der 210 Minuten zu nutzen, die mir innerhalb von fünf Tagen als Verspätungen bei der DB beschert wurden. Dazu hätte ich aber ein bisschen im Netz recherchieren müssen, ohne Smartphone. „Auf Ihrer aktuellen Strecke können Sie mit HotSpot ins Internet gehen“, las ich auf meinem PC-Bildschirm, „worauf warten Sie noch? HotSpot verfügbar.“ Na prima. Auch wenn die Telekom minimal 4,95 Euro dafür verlangt, reicht das für 24 Stunden, und der Tag ist vorstellbar, an dem die Bahnfahrt vom Bodensee zum Maschsee wirklich wieder eine Tagesreise wird. Ich klicke also auf den Button „Jetzt ins Internet“. Das Warterädchen auf dem Schirm dreht sich. Und dreht sich. „Worauf warten Sie noch?“, lese ich wieder. Und drücke wieder „Jetzt ins Internet“. Nix. Und dabei blieb es, und darum verzögerte sich die Abfahrt meiner Kolumne um unbestimmte Zeit. Zum Trost hier noch zwei schöne Links bei „Pro Bahn“: zur Entwicklung der Fahrpreise seit 1950 und der Verspätungen seit 2011.

11. Juli 2014

> Heute nur mal ein schönes Zitat, vor einer Woche in der “Süddeutschen” gelesen, in der der Schriftsteller Michael Köhlmeier über seine Innsbrucker Lieblingsbuchhandlung und mithin die Liebe zum Buch schrieb, einen Gegenstand, dessen lautesten Verteidigern der Autor misstraut. “Dieses Gejammer!”, ruft Köhlmeier. “Diese verzweifelte Suche nach Argumenten für den Gegenstand Buch!! Wenn ich schon höre: “Aber das Haptische, das Haptische!” oder “Wie das Buch riecht! Der Kindle riecht nicht.” Alle, die ich so reden hörte, hatten sich in Wahrheit längst vom Buch verabschiedet; sie haben es nie geliebt, besaßen gerade so viele, wie sie in einem Leben lesen können. Das Brot geht nicht unter, nur weil der Käse erfunden wird!” Köhlmeier sieht das Buch vor allem als schönes Ding, das es so lange geben wird wie Menschen, die schöne Dinge lieben. Aber auch, wenn ich mich damit seiner Kritik der Verteidiger aussetze, möchte ich hinzufügen, dass es modernen Texttransmittern auch überlebenstechnisch weit voraus ist, um eben die Jahrhunderte, die es älter ist. Stromausfall, Aufprall auf Stein aus einem Meter Höhe, ein Schwall Kaffee aus umstürzendem Becher – testen Sie das doch mal an einem Kindle.

27. Juni 2014

> Sein Leben war eine Achterbahnfahrt im Epochenknick zwischen Klassik und Romantik, Revolution und Napoleon. Heute vor 200 Jahren starb Johann Friedrich Reichardt, der umstrittene Komponist, Literat, Reisende und Reporter, von dem die meisten nur noch seine Melodie zu “Schlaf, Kindchen, schlaf” kennen. Darum gibt es hier unter “Geschichte” erstmals in voller Länge zu lesen, was ich vor zwölf Jahren zu Reichardts 250. Geburtstag für die ZEIT schrieb.