Kategorie-Archiv: Blog

19. Juni 2016

> Die Reisen führten nach London, Paris, Salzburg, München, Berlin, Dortmund, immer wieder aber auch nach Zürich: Für das Magazin der Oper dort traf ich in jedem Monat der jetzt sich neigenden Saison einen der Künstler, eine der Künstlerinnen, die dort auftraten – echt beglückend, alle diese Begegnungen mit Leuten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Drei der Porträts waren bislang noch nicht auf dieser Website zu lesen und werden jetzt nachgereicht: Corinne Winters, die junge Mélisande der Inszenierung von Dmitri Tcherniakow, Michael Volle, der Holländer, der von seiner Spätzünderlaufbahn erzählt, Ottavio Dantone, der Dirigent und Cembalist aus Mailand. Während er aus ganz unmusikalischer Familie kommt, musste in Volles schwäbischem Pfarrhaus jedes Kind ein Instrument lernen. Und Corinne Winters´ Vater mochte nur Rockmusik – Oper kam da nicht in Frage. Spannend, auf welchen Wegen die unterschiedlichsten Typen beim Musiktheater landen (und dort nicht selten ihre Lebenspartner finden).

Ich habe mich in dieser Saison mehr hinter als vor den Kulissen herumgetrieben, letzteres aber auch, für die ZEIT: In Hannover wurde Alexander Zemlinskys “Traumgörge” zum wiederholten Mal aus dem (wie sich erwies: unverdienten) Schatten geholt, in Linz kam Moritz Eggerts “Terra Nova” zur Uraufführung. In Freiburg beging derweil das SWR Sinfonieorchester seinen 70. Geburtstag (dem, wie alle wissen, nun das Ende dieses fantastischen Ensembles folgt), und für die Broschüre zu diesem Anlass bin ich der Geschichte des Orchesters seit jenen Tagen gefolgt, als sein erster Dirigent quasi in Handschellen sein Amt antrat. Noch ein Geburtstag: Erik Satie wurde neulich 150. Und “Bachs Welt”? Heute hat sich im hr2-Kulturfrühstück Susanne Pütz zu ihrer Lektüre befragen lassen. Auf der Liste der meistverkauften Sachbücher ist das Buch von Platz 47 auf Platz 32 geraten. Weitere News zur Rezeption, wie auch zwei Essays in “128″, dem Magazin der Berliner Philharmoniker, folgen mit dem nächsten Newsletter. Und vor den Ferien, hopefully, auch endlich mal wieder eine Kolumne…

9. Juni 2016

> “Bachs Welt“ ist auf dem Weg, die Auseinandersetzung mit dem Buch beginnt. Als „Bibel für alle Bachianer“ wird das Buch in einer ausführlichen Besprechung von Dieter David Scholz im MDR empfohlen; im Musikjournal des Deutschlandfunks wurde der Autor zu seiner Arbeit befragt. Auf SWR 2, in den Nürnberger Nachrichten, Schweizer Tages-Anzeiger und Welt finden sich Rezensionen unterschiedlicher Positionierung. Als Autor des Buchs habe ich keine Wertungen zu kommentieren. Verblüffen darf mich ein Befund, es finde sich „für Kenner nichts Neues“ in einem Buch, das neue Quellenfunde von einer Bach´schen Trauungsurkunde über einen Hexenprozess zur Blütezeit der Arnstädter Bachs und Erfurter Pestprotokolle bis hin zur Ermittlung des Textdichters eines der bedeutendsten Vokalwerke des 17. Jahrhunderts versammelt. Spannend finde ich, wie unterschiedlich die Engführung von fiktionalen und dokumentarischen Anteilen diskutiert wird. Unterdessen ist „Bachs Welt“ erneut unter die ersten 50 der meistverkauften Sachbücher der Spiegel-Liste geraten, was bei mehreren hundert Neuerscheinungen im Monat durchaus nicht zu Kulturpessimismus Anlass gibt.

Hinzuweisen und zu verlinken wäre auch noch auf diverse neue journalistische Arbeiten -aber das muss warten. Sorry! Und die vormals “allsamstägliche” Kolumne harrt einstweilen ihrer Reaktivierung. Sowas ist für umsonst einfach nicht mehr zu machen, wenn man ein Buch auf den Weg bringt – wozu neben Interviews übrigens auch Lesungen gehören. Die in Nürnberg, Köln und bei Bonn hatten ein phantastisches Publikum, bei dem ich mich hier nochmal bedanke!

11. Mai 2016

> Nur dreierlei auf die Schnelle: Vor einer Woche erschien in der ZEIT mein Text zur sinfonischen Avantgarde in Deutschland. Welche Orchester spielen hier noch Musik von lebenden Komponisten, wenn es das SWR Sinfonieorchester nach 70 Jahren nicht mehr gibt? Die Antwort ist mehrdimensional, aber nicht hoffnungslos, und eine ausführliche Version des Textes ist hier zu finden. Außerdem ein Hörtipp: Am vorigen Freitag spielte Cantus Cölln im Rahmen der Schwetzinger Festspiele ein Programm mit zwei Kantaten und der A-Dur-Messe von J.S. Bach. Die neogotische Kirche St. Joseph zu Speyer geizt nicht mit Hall, womit die Tonmeister von SWR 2 freilich keine Probleme haben: Der Mitschnitt ist am 12. Mai um 20.03 hier zu hören. Mein Favorit: die frühe Kantate “Aus der Tiefe”, schon wegen der zwei Bratschenstimmen… Ebenfalls am Donnerstagabend, aber live und schon um 18 Uhr, setzen sich bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen vier Musikjournalisten zum “Quartett der Kritiker” zusammen und bereden Aufnahmen zweier Tondichtungen von Richard Strauss. Mit dabei sind Don Juan, Till Eulenspiegel, Eleonore Büning, Christian Wildhagen, Thomas Rübenacker und ich. Und natürlich Willem Mengelberg, Fritz Reiner, zehn weitere Dirigenten und ihre Orchester auf Tonträgern von 1938 bis vorgestern. Danach kümmern wir uns dann alle wieder um die Avantgarde, versprochen!