>Mal mit, mal ohne Bach: Welche Alternativen es zu DEM Weihnachtsoratorium gibt, habe ich für ZEIT online erkundet. Und welche Probleme die Brandenburgischen Konzerte aufwerfen, wenn alle Probleme gelöst scheinen, erweist sich in den Neuaufnahmen des Sixpacks von Freiburger Barockorchester und Concerto Köln. Die habe ich für die Musikbeilage der ZEIT behorcht, der Text ist nun auch hier zu lesen. Nach der Musik kommt zwingend das Essen und darum jetzt eín Lokaltipp – auch als Dank ans fabelhafte Team der so engen wie metropolitanen Gastrobar Boca zu Hannover, die uns vor einer Woche einen wunderschönen Abend beschert hat. So kann man schmerzfrei 53 werden. Natürlich hat die Bar Empfehlungen nicht nötig, man kriegt mit Glück und Vorbestellung bestenfalls einen Platz an der Theke – kann von da aber bestens den Jungs beim Brutzeln zusehen. Rauchern und Großportionsfreunden sei hingegen die Erfurter Kneipe Noah ans Herz gelegt, in der auch Thüringens kontaktfreudige Musiker verkehren. Hätte Bachs Papa gefallen, der hier aufwuchs, und den vielen andern Bachs.
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21. November 2014
> “Musikdozenten ziehen andere Saiten auf” – unter dieser Überschrift erschien am 6. November auf ZEIT online meine Kolumne über die prekären und unangemessenen Bedingungen, unter denen hochqualifizierte Lehrbeauftragte die Ausbildung an deutschen Musikhochschulen gewährleisten. Anlass war der Aktionstag, an dem diese Musiker bundesweit für ihre Forderungen eintraten. Die Folgen lassen aufhorchen. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer kündigte an, den Etat der Musikhochschulen zu erhöhen, statt ihn wie geplant um fünf Millionen Euro zu kürzen. Die Budgets für die Lehrbeauftragten sollen um 20 Prozent erhöht werden. Und in Mecklenburg-Vorpommern will Bildungsminister Mathias Brodkorb die Lehrbeauftragten besser bezahlen. Weil der Bund ab 2015 die BAFöG-Zahlungen übernimmt, wird der Haushalt des Bundeslandes um 30 Millionen Euro entlastet – ein Teil davon soll in höhere Honorare für Lehrbeauftragte fließen.
Chaotisches hört man aus Wuppertal, wo an der Oper das Ensemble abgeschafft worden ist zugunsten eines Stagionebetriebs. Darüber hatte ich am 4. September auf ZEIT online skeptisch nachgedacht unter der Frage “Neustart oder Notstart?”. Vorerst ist eine Bruchlandung daraus geworden. Nur gut zwei Monate nach seinem Amtsantritt hat Generalmusikdirektor und Intendant Toshiyuki Kamioka – er hatte das Wuppertaler Orchester zehn Jahre lang mit Erfolg geleitet – seinen Vertrag vorzeitig gekündigt. “Weg mit Schaden”, kommentiert die F.A.Z.
Eine traurige Nachricht kommt aus Donaueschingen. Armin Köhler, der seit 1992 das Avantgardefestival des SWR auf neue Bahnen gebracht hat, ist mit erst 62 Jahren gestorben. Für die aktuelle ZEIT schrieb ich den Nachruf auf einen Mann, der gerade keine westlich durchtrainierte Betriebsnudel war und um so mehr bewegt hat.
15. November 2014
> „Die Zeiten ändern sich“, sagte der Redakteur. „Die Leute wollen keine langen Sachen mehr lesen. Die Kolumne hat sechzig Zeilen. Eigentlich. Du hast aber achtzig geschrieben. Du schreibst immer dieses unkürzbare Zeug. Wir haben es jetzt in voller Länge. Die Seite sieht scheiße aus. Aber danke.“ „Danke auch“, sagte ich. „Ich lern´ das schon noch, ich bin ja noch jung.“ Und so schlimm geht es in der Zeitung, einer großen, norddeutschen Tageszeitung nun auch wieder nicht zu, längenmäßig, auch wenn jene 90er Jahre lange vorbei sind, als es da zum Beispiel Rezensionen in einer Länge und Fülle gab, die heute von den großen Überregionalen mit Ach und Krach erreicht wird. Musikkritiken, man denke, es gibt sie noch! Hundertzeiler über Kammermusik und Opernabende, nicht nur Premieren! Ohne Feedback geht jede Kunst ein, und wer sie nicht kennt, erfährt auch nichts von ihr. Dabei kann sie ähnlich weit kommen wie Rosetta, die Kometensonde – nur in einem anderen Weltall. Nach diesem feierlichen Bekenntnis stimme ich auch gern mal dem gemütlichen Übermenschen Sloterdijk zu, der jüngst sagte: „Wer ständig fortschreitet, geht über zu viel hinweg (…) Man muss täglich konservativer werden, damit man rezeptiver wird für die Werke, die auf uns warten.“ Zu diesen Werken gehört selbst nach zehntausenden Abenden Carmen ebenso wie kaum Gehörtes von, zum Beispiel, Harrison Birtwistle, der im Juli 80 wurde. An beiden habe ich das gute, alte, dubiose Handwerk der Musikkritik jetzt mal wieder ausprobiert. Je hundert Zeilen, ungekürzt!